Samstag, 12. Dezember 2015

Biologie Leistungskurs - Erfahrungsbericht zum BioLK


Mittlerweile ist es fast zwei Jahre her, dass ich meine beiden Leistungskurse wählen musste. Leicht ist mir diese Wahl nicht gefallen, da ich mich zwischen 4-5 Fächern entscheiden musste, die ich gerne als Leistungskurs belegt hätte. Ich habe mir ständig den Kopf über alle möglichen Vor- und Nachteile der Fächer zerbrochen, alle möglichen Lehrer befragt, ob sie mich für "LK-tauglich" halten und natürlich auch das Internet nach Erfahrungsberichten durchsucht. Einige waren hilfreich, andere haben mich verunsichert. Einen (hoffentlich hilfreichen) persönlichen Erfahrungsbericht zu jedem meiner Leistungskurse möchte ich euch in den folgenden Posts geben. Meine Wahlkreuze habe ich schließlich bei Deutsch und Biologie gesetzt, und um letzteres Fach soll es an dieser Stelle gehen. Um den Biologie Leistungskurs. 



Zum Erfahrungsbericht 
Bevor ich euch Einblicke in die Welt des BioLKs gebe, muss ich noch kurz ein paar Dinge anmerken. Wie oben schon erwähnt, ist das hier ein persönlicher Erfahrungsbericht. Das heißt, ihr solltet meine Sichtweisen nicht verallgemeinern. Jeder Leistungskurs ist verschieden, was mit Sicherheit auch mit Schule und Bundesland zusammenhängt. In NRW sind Leistungskurse fünfstündig, das heißt, dass ich jede Woche 5 Schulstunden Biologie habe. Meine normalen Klausuren im Leistungskurs sind 4 Schulstunden lang. Die inhaltlichen Schwerpunkte für meinen Abiturjahrgang (2016) sind Genetik, Ökologie, Evolution und Neurphysiologie. 

Was behandelt man im BioLK?
Wie gerade eben schon erwähnt, gibt es für jeden Abiturjahrgang inhaltliche Schwerpunkte, die den Lehrplan bestimmen. Diese Vorgaben könnt ihr auf der Seite eures Schulministeriums einsehen, die Vorgaben für NRW gibt es hier. Das heißt, ihr könnt euch - noch bevor ihr den BioLK überhaupt wählt - ansehen, was ihr behandeln werdet. Natürlich sind große Themenkomplexe wie Genetik oder Evolution immer vertreten, denn keiner wird ein Abitur in Biologie absolvieren können, ohne jemals von Gregor Mendel oder Charles Darwin gehört zu haben. Prinzipiell behandelt man die selben Themen wie im Grundkurs, nur ausführlicher. Das heißt, man macht ein Unterthema mehr oder geht etwas mehr "in die Tiefe". Allerdings muss erwähnt werden, dass es für Biologie ziemlich viel Lernstoff gibt. Schon der Grundkurs muss ziemlich viel behandeln und beim Leistungskurs ist es logischerweise noch mehr, weshalb Biologie zurecht als eines der lernintensivsten Fächer überhaupt gilt. Wie für jedes Fach gilt auch für Biologie, dass es Themen geben wird, die euch mehr interessieren werden und solche, die es eher weniger tun. 

Wie sieht der Unterricht im BioLK aus?
Der Unterricht im BioLK ist zum Großteil theoretisch. Wer sich auf großes Mikroskopieren und Sezieren gefreut hat, muss von mir enttäuscht werden. Natürlich sitzt man nicht nur vor Büchern und Arbeitsblättern, aber da man in Biologie sehr viel Stoff in kurzer Zeit durchnehmen muss, ist wenig Zeit für Nebensächliches. Natürlich gibt es auch Exkursionen, so hat mein BioLK zur Genetik ein Molekularbiologisches Labor besucht, zur Ökologie eine mehrtägige Kursfahrt an einen Stausee für Gewässeruntersuchungen unternommen und zur Evolution das Neanderthalmuseum besucht. Aber der Großteil des Unterrichts besteht nun mal aus dem Lesen von Texten, um sich neue Themen beizubringen bzw. neue Dinge zu erfahren. Dazu markiert man sich Dinge im Text, macht sich Notizen und bespricht das Ganze anschließend im Kurs, wobei dann das Tafelbild entsteht, das oftmals aber nicht hilfreicher ist als die eigenen Notizen. Wie ihr euch also vielleicht denken könnt, ist in Biologie sehr viel selbstständiges Arbeiten angesagt. Im Prinzip muss man sich alles selbst beibringen, mit dem Lehrer und dem Kurs sichert man dieses Wissen dann nur ab. Außerdem gibt es recht häufig Hausaufgaben auf, die dann meistens auch daraus bestehen, sich das und das zu erarbeiten oder dieses und jenes zu wiederholen. Das ist nämlich eine weitere Sache: In Biologie lernt man immer mehr, aber man darf von dem Gelernten möglichst nichts mehr vergessen. 

Braucht man für den BioLK Chemie?
Eine Frage, die auch ich mir damals gestellt habe. In der 10. Klasse hatte ich noch Chemie, habe dann für die 11. Klasse den BioLK gewählt und Chemie gleichzeitig abgewählt. Und deswegen kann ich euch ganz klar sagen, dass ihr nicht Chemie belegt haben müsst, um im BioLK zu überleben. Die Mehrheit meiner Bio-Mitschüler hat auch kein Chemie mehr und man kommt bestens ohne zurecht. Ich frage mich wirklich, wie dieser Mythos die Runde gemacht hat, denn man muss kein Chemie belegt haben, um zu wissen, was eine Wasserstoffbrückenbindung oder eine polare Bindung ist. Das sind alles Grundlagen, die man in der Mittelstufe gelernt hat, als Chemie noch Pflicht war. All das hat nichts mit dem Chemieunterricht der Oberstufe zu tun und selbst wenn man in der Mittelstufe eine Chemie-Niete war, sind das alles Sachen, die man sich innerhalb einer Stunde selbst nachträglich beibringen kann. Schließlich habt ihr Biologie gewählt, nicht Chemie. Im Abitur wird euch keiner fragen, wieso bei der Fotosynthese aus 12H2O schließlich 6H2O werden. Also tut mir einen Gefallen und macht euch wegen der Chemie nicht verrückt. Diese sollte meiner Meinung nach kein Ausschlusskriterium sein. Selbst wenn ihr einen Biolehrer abkriegt, dem Chemie total wichtig ist, könnt ihr euch die paar chemischen Grundlagen selbst beibringen. Im Zeitalter von YouTube und Büchern wie "Chemie für Dummies" ist das kein Problem mehr. 

Muss man für den BioLK viel lernen?
Ja! Falls ihr ein eher faules Gemüt habt, solltet ihr euch überlegen, ob ihr euch Biologie wirklich "antun" wollt. Dass man für Biologie viel lernen muss, ist leichter gesagt als getan. Erst wenn man wirklich drin steckt, merkt man, wie viel das alles eigentlich ist. Manchmal höre ich von Mitschülern anderer LKs am Tag vor den Klausuren, dass sie immer noch nicht mit dem Lernen begonnen haben, wohingegen ich schon seit Tagen sämtliche Begriffe und Regeln in meinen Kopf prügele. Außerdem müsst ihr euch bewusst sein, dass es immer mehr wird. Gerade für das Abitur. Da müsst ihr dann nämlich nicht nur den Stoff zur Molekulargenetik beherrschen, den ihr für eure erste BioLK-Klausur draufhaben musstet, sondern etwa achtmal soviel. Deswegen sind zwei Dinge für Biologie wichtig: 1. Fangt früh mit dem Lernen an! 2. Lernt regelmäßig! Außerdem ist es hilfreich, sich für die Klausuren immer ausführliche Lernzettel zu schreiben. Dann habt ihr es in puncto Abiturvorbereitung leichter, da ihr die Lernzettel nach der Klausur - ich bitte darum - hoffentlich nicht wegschmeißt. 

Wie sehen BioLK-Klausuren aus?
Wenn es um BioLK-Klausuren geht, dann geht es um einen wunden Punkt der meisten Schüler. Denn wenn man für eine Bioklausur lernt, dann lernen die Meisten die ganzen Begriffe und Definitionen des Themenkomplexes auswendig und können damit super die Reproduktionsaufgabe lösen. Blöd nur, dass die restlichen 80% der Bioklausur aus Transferaufgaben bestehen. Das heißt, dass es seitenweise Material gibt (Texte, Diagramme, Versuche), die man auswerten und mittels des Gelernten analysieren und erklären muss. Klingt einfach, ist es aber nicht. Schaut euch dazu am besten alte Abiturklausuren an, dann wisst ihr, was euch erwartet. Die Zeiten des "Fülle den Lückentext aus", "Beschrifte die Abbildung" oder "Definiere das und das" sind im BioLK nämlich definitiv vorbei. Leider. 

Wie groß ist der Unterschied zwischen BioLK und BioGK?
Der wesentliche Unterschied liegt zum einen in der Stoffmenge und zum anderen in den Klausuren, letztere sind im Grundkurs um einiges einfacher. Der Grundkurs knüpft ziemlich gut an den Bio-Unterricht aus Klasse 10 an, was das Level angeht. Von Klasse 10 in den BioLK ist es meiner Meinung nach jedoch ein etwas größerer Schritt, vor allem was die Klausuren angeht. Denn spätestens in den Klausuren wird man merken, wieso sich der eigene Kurs eigentlich Leistungskurs nennt. Aber ich möchte euch keine Angst machen, das ist alles machbar, wenn man will. Viele Schüler unterschätzen bloß, dass sie sich im LK nun viel mehr mit Biologie befassen müssen als noch in der 10. Klasse. Da war Biologie für viele ein Nebenfach mit guten Noten und Spaßfaktor. Sobald man ein Fach allerdings als LK wählt, wird es zum Hauptfach. Da reicht es nicht mehr aus, sich am Abend vorher ein paar Sätze aus Wikipedia herauszuschreiben, für grobes Verständnis. Grobes Verständnis muss im BioLK zum großen Verständnis werden. Ein LK ist quasi euer Beruf, nicht euer Nebenjob. 
Wenn ihr euer LK-Wahlkreuz also bei Biologie setzt, dann heiratet ihr dieses Fach. Das Eheversprechen wäre hierbei, dass ihr immer schön fleißig für Biologie lernt, in guten (interessanten, einfachen) wie in schlechten (uninteressanten, stressigen) Zeiten. Denn wenn ihr das nicht tut, kommt es zur Ehekrise und es regnet schlechte Noten. Ich denke, diese Metapher beschreibt den Leistungskurs-Aspekt ziemlich gut.

Bin ich für den BioLK geeignet?
Und nun zum Fazit und der Beantwortung der Fragen aller Fragen: "Bin ich für den BioLK geeignet?
Das ist natürlich eine Frage, die ich euch nicht beantworten kann. Das kann keiner, außer man selbst. Ich kann euch nur sagen, dass ihr die oben genannten Aspekte berücksichtigen solltet. Auch rate ich euch, nicht unbedingt ein zweites aufwendiges LK-Fach zu wählen, wenn ihr schon Biologie nehmen wollt. Biologie und Geschichte würden euch beispielsweise viele Stunden am Schreibtisch bescheren. 
Ihr braucht keine Angst wegen Chemie zu haben, solltet aber wissen, worauf ihr euch mit Biologie einlasst. Ihr werdet recht viel lernen müssen, wenn euch gute Noten wichtig sind. Das sollte aber eine Selbstverständlichkeit beziehungsweise Nebensächlichkeit sein, wenn man sich wirklich für die Biologie interessiert. Denn Leidenschaft ist, wie in so vielen Situationen des Lebens, ein wichtiger Punkt. Wenn ihr keinen Spaß an der Biologie habt, dann lasst es bleiben. Ihr könntet euer Abitur mit viel weniger Aufwand bekommen, wenn ihr Biologie nicht wählt. Mit der Kombination Deutsch/Englisch beispielsweise kommen viele Schüler ohne Lernen sehr weit. Denn für Leute mit der Einstellung "Ich hab Bio gewählt, weil ich Chemie und Physik noch schlimmer finde" ist der Grundkurs da, nicht der Leistungskurs. Der Leistungskurs ist für Leute, die Leistung erbringen wollen. Für Leute, die sich reinknien wollen. Für Leute, die mehr wissen wollen als man für das Abitur wissen muss. Für Leute, die auch gerne mal etwas später zu Bett gehen, weil sie noch ihre BioLK-Hausaufgaben erledigen müssen. Für Leute, die die Biologie, die Lehre vom Leben, mit jeder Zelle des Körpers interessiert.

Kommentare:

  1. Danke für diesen überaus tollen Beitrag ! <3 Das hilft mir bei der LK-Wahl besonders gut weiter, weil ich nämlich schon seit Anfang Mittelstufe überzeugt davon bin, Biologie zu wählen. Immer weiter so ! <33

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  2. Deine Erfahrungen sind wirklich interessant & hilfreich! Als ich vor fast 2 Jahren auch meine LKs gewählt habe, war Bio auch (kurz) in der engeren Wahl. Heute bin ich froh, Bio nicht genommen zu haben, denn schon der GK geht mir ganz schön auf die Nerven :D
    Ich kann auf jeden Fall bestätigen, dass man nicht 2 Lernfächer als LKs wählen sollte! Ich habe Sozialkunde, Englisch & Deutsch als LKs & bin immer froh, dass ich nur eine lernintensive Klausur habe. Im Allgemeinen kann ich glaube ich sagen, dass ich eine sehr gut oder sogar die beste Wahl für mich getroffen habe. Nur mit meinem Sozi-Lehrer hatte ich nicht ganz so viel Glück..
    LG Vici

    colorfulphoto.blogspot.de

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  3. Deine Erfahrungen sind echt informativ und hilfreich! Ich habe zwar noch ein bisschen Zeit, aber ich werde warscheinlich wenn ich Abi machen sollte auch als LK Bio und Deutsch wählen und da bist du echt ein Vorbild!<3
    Alles liebe, Marie

    http://always-beautifulixx.blogspot.de

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