Samstag, 19. Dezember 2015

Deutsch Leistungskurs - Erfahrungsbericht zum DeutschLK


Heute möchte ich ein wenig über den Deutsch Leistungskurs berichten. Einen Erfahrungsbericht zum BiologieLK habe ich bereits verfasst, diesen könnt ihr hier einsehen. In diesem Post soll es jedoch um meinen zweiten Leistungskurs gehen, der mit Sicherheit eine große Mehrheit von Schülern interessiert. Das kann ich zum Beispiel daran sehen, dass die Hälfte meiner Stufe den DeutschLK gewählt hat. Doch sind all diese Schüler wirklich am Fach Deutsch interessiert? Sicherlich nicht. Denn jeder von euch kennt die Klischees: "Für Deutsch muss man nicht lernen", "Wer nicht weiß, was er wählen soll, sollte Deutsch wählen. Damit kann man nichts falsch machen", "Wer Deutsch als LK hat, der macht ein Loserabi." Doch ist an diesen coolen Sprüchen wirklich etwas dran? Und für wen ist es wirklich sinnvoll, Deutsch zu wählen? Lernt man überhaupt etwas im DeutschLK, wenn man angeblich nichts lernen muss? Davon möchte ich euch ein wenig erzählen. 



Zum Erfahrungsbericht
Vorab muss ich noch ein paar Dinge anmerken. Zum einen ist das hier ein persönlicher Erfahrungsbericht, das heißt, dass meine Sichtweisen nicht rein objektiv sind oder sein könnten. Deswegen solltet ihr diesen Bericht nicht verallgemeinern. Außerdem unterscheiden sich Leistungskurse in ihrer Aufmachung von Bundesland zu Bundesland. In meinem Fall (NRW) habe ich wöchentlich fünf Schulstunden DeutschLK. Normale Klausuren (kein Abi oder Vorabi) sind vier Schulstunden lang.

Welche Themen behandelt man im DeutschLK?
Bezüglich der Unterrichtsinhalte muss man nicht nur zwischen den einzelnen Bundesländern, sondern auch zwischen den einzelnen Abiturjahrgängen unterscheiden. Zwar werden überall grundlegende Dinge behandelt, beispielsweise die drei literarischen Gattungen (Lyrik, Epik, Dramatik), aber nicht alle deutschen Schüler lesen die gleichen Lektüren. Die genauen Inhalte für euer Bundesland und euer Abiturjahr könnt ihr den Internetseiten eures Schulministeriums entnehmen, für NRW gibt es die Lehrpläne hier. Das heißt, dass ihr - noch bevor ihr euch für den DeutschLK entscheidet - die Themen "abchecken" könnt. 
Ich persönlich (Abitur 2016) musste  - um euch mal ein Beispiel für Unterrichtsinhalte zu geben - Schillers Kabale und Liebe lesen sowie Hiob von Joseph Roth und Der Prozess von Franz Kafka. Außerdem haben wir im Themenbereich Lyrik die Epochen Romantik, Expressionismus und jüngste Gegenwart (ab 1990) behandelt. Ein weiterer großer Themenkomplex ist Sprache. Hierunter fallen der Sprachursprung (hierzu wird Herders Abhandlung über den Ursprung der Sprache gelesen), Sprachskepsis (im Chandos-Brief) und Sprachwandel. Außerdem haben wir noch weitere Werke der Epoche der Neuen Sachlichkeit behandelt. 

Wie sieht der Unterricht im DeutschLK aus?
Den Unterricht zu beschreiben ist schwierig, da mir sofort tausend Dinge einfallen, die beschreiben würden, wie der Unterricht im DeutschLK nicht aussieht. Wer den DeutschLK wählt, der muss sich darüber im Klaren sein, dass einen nicht die große Spannung erwarten wird. Deutsch ist keine Naturwissenschaft, in der man Versuche machen könnte und im Fach Deutsch drängen sich auch keine Exkursionen auf. Ab und an geht man vielleicht mal mit seinem Kurs ins Theater, aber ansonsten sitzt man die meiste Zeit im Klassenraum und bearbeitet die Hälfte der Zeit lang Arbeitsblätter und sonstige Aufgaben. Scheinbar gibt es verdammt viele Kopiervorlagen für das Fach Deutsch, denn mein Deutschordner ist mit Abstand mein vollster. Verständlicherweise geht die andere Hälfte der Zeit dafür drauf, dass man die bearbeiteten Aufgaben bespricht. Erfahrungsgemäß melden sich dabei nicht viele Schüler und der Lehrer führt deshalb Unterrichtsgespräche, an denen immer die selben Leute beteiligt sind. Wenn einen das Thema nicht interessiert - und das passiert wirklich jedem Deutschschüler irgendwann einmal, ich zum Beispiel finde das Thema Sprache schrecklich - dann kann sich eine Deutschstunde ganz schön in die Länge ziehen. Andererseits ist der DeutschLK wirklich entspannt. Wenn man mal für fünf Minuten mit den Gedanken abschweift, an seinem Handy spielt oder vielleicht krank ist und gar nicht zur Stunde kommt, dann hat man in der Regel nicht das Problem, dass man nicht mehr hinterherkommt, wie es vielleicht in Mathe der Fall wäre. 

Liest man im DeutschLK viele Lektüren? 
Ich habe oben schon geschrieben, dass ich drei Lektüren für das Abitur lesen muss. Ich glaube, dass es bei den späteren Abiturjahrgängen sogar nur noch zwei sind. In der Regel liest man jedoch nicht mehr als 3-4 Lektüren, mehr Lektüren sind auf jeden Fall nicht abiturrelevant. Kein Schulministerium wird oder kann von euch erwarten, dass ihr in zwei Jahren Leistungskurs sieben Bücher behandelt. Das hätte eine total oberflächliche Bearbeitung zur Folge. Der eigentliche Sinn, vor allem im LK, ist schließlich, in die Tiefe zu gehen. Genau deswegen haben die meisten Schüler auch mehr Lektüreschlüssel als Lektüren, da es auf Interpretationen ankommt.
Auch stimmt es nicht, dass der Grundkurs weniger Bücher liest als der Leistungskurs. Die Grundkurse meiner Stufe lesen auch drei Lektüren, wobei zwei der drei Bücher identisch sind und nur das dritte Buch ein etwas "einfacheres" ist. Ihr müsst also keine Angst davor haben, dass ihr im DeutschLK hinter einem riesigen Buchstapel verschwindet. Die meisten Schüler lesen die Lektüren ja nicht mal, jedenfalls nicht vollständig. Viele geben sich mit der Wikipedia-Zusammenfassung zufrieden.
Deshalb ist fraglich, ob ihr Deutsch als Leistungskurs wählen solltet, wenn ihr nicht gerne lest. Diejenigen, die zu den Besten im DeutschLK gehören, lesen meistens freizeitlich gerne und die, die es nicht tun, haben Deutsch meist als Notlösung gewählt. Wer kein Interesse am Lesen hat, der hat kein leidenschaftliches Verhältnis zur Sprache und sollte nicht vergessen, dass es gerade dieses gewisse Etwas ist, dass den DeutschLK spannend machen kann. Der DeutschLK ist also nicht zwingend langweilig. Auf den Bezug kommt es an. 

Kriegt man im DeutschLK viele Hausaufgaben auf bzw. muss man ständig seitenlange Texte verfassen?
Nein und nein. Deutsch gehört, bei mir zumindest, zu den Fächern, in denen ich, obwohl es ein LK ist, am seltensten Hausaufgaben aufbekomme. Aber wenn ich mal Hausaufgaben aufkriege, dann so richtig. Das heißt, dass es natürlich ab und an vorkommt, dass man eine Analyse verfassen soll. Vielen Schülern ist das zu blöd, das heißt, sie machen die Hausaufgabe gar nicht, kopieren irgendeine fertige Analyse aus dem Internet oder schreiben maximal eine Seite. Ich persönlich kann da nur den Kopf schütteln, denn a) bietet eine solche Hausaufgabe die perfekte Übung für die bevorstehende Klausur, in der auch eine Analyse verfassen werden muss und b) sollte doch gerade eine solche Hausaufgabe Spaß machen. Wer beim Gedanken an eine Dramenszenenanalyse Magenschmerzen kriegt oder sein Gegenüber auslachen würde, wenn dieser ihm sagt, dass er drei Stunden lang ein Gedicht analysiert hat, hat im DeutschLK ganz einfach nichts verloren. Niemand hat dich dazu gezwungen, den DeutschLK zu wählen. Wieso regst du dich also über das Gedicht auf? Wieso regst du dich darüber auf, dass du bis morgen eine Seite im Buch lesen sollst? Wieso regst du dich darüber auf, dass deine Lehrerin deine Analyse mit der Länge einer halben Seite belächelt? Alles Fragen, die ich mir bei einigen meiner Mitschüler schon oft gestellt habe. Ein bisschen Leistung sollte man im Deutsch Leistungskurs schon noch erbringen. Die Oberstufe ist schließlich kein Geburtstag und der DeutschLK ist nicht die Kerze auf dem Kuchen, die sich am leichtesten ausblasen lässt. 

Braucht man für den DeutschLK wirklich nicht zu lernen?
Was ich bis jetzt geschrieben habe, klang ziemlich negativ. Deswegen mal etwas Erfreulicheres: Nein, für Deutsch muss man nicht unbedingt lernen, jedenfalls nicht so viel. Das kann ich behaupten, weil ich mit Biologie als zweiten LK den Vergleich zum anderen Extrem wagen kann. 
Generell kann man sagen, dass für Deutsch niemand wirklich ausführlich lernen muss. Deutschnoten sind auch immer relativ konstant. (Sehr) gute Schüler müssen nicht lernen, um in der nächsten Klausur wieder eine gute Note zu bekommen. Und schlechtere Schüler verbessern sich durchs Lernen entweder nicht oder aber sie schreiben eine unerwartet gute Klausur. Das kommt aber auch ohne Lernen vor und hängt einfach mit Thema und Klausuraufgabe zusammen. 
Prinzipiell sind deswegen zwei Dinge festzuhalten. Zum einen kann man für Deutsch gar nicht viel lernen. Bis auf die Struktur der jeweiligen Analyseform lerne ich oft auch nichts, denn all die Sachen, die man im Unterricht gelernt hat, bringen einem in der Klausur entweder nichts (waren also unnötig), oder lassen sich auch so aus dem Ärmel schütteln. Zum anderen kann man in Deutsch durch Lernen nicht viel verändern. Wer einmal drauf hat, wie man eine gute Analyse schreibt, der schreibt immer gute Analysen. Und wer noch nie verstanden hat, wie man eine gute Analyse schreibt, der wird auch in der Klausur keine gute Analyse schreiben. So etwas kann man auch nicht von heute auf morgen lernen. Wenn ihr also sehr gut im Verfassen von Analysen seid, dann seid ihr im DeutschLK richtig. Jede Klausur dreht sich um Analysen. 

Wie sehen DeutschLK-Klausuren aus?
Diese Frage wäre also auch schon beantwortet. Das Zauberwort heißt Analysen. Prinzipiell bestehen Deutschklausuren aus zwei Aufgaben. Die erste Aufgabe beinhaltet die Analyse (oft mit Analyseschwerpunkt), die zweite Aufgabe erfordert oft weiteres, im Unterricht erworbenes Wissen. Beispielsweise könnte die Deutung eines Zitates in Bezug auf XY gefordert sein, oder der Vergleich des vorliegenden Textes mit irgendeinem anderen, etc. Für genaue Vorstellungen von DeutschLK-Klausuren empfehle ich euch, einen Blick in alte Abiturklausuren zu werfen. Diese entsprechen so ziemlich dem, was man auch in der Oberstufe an Klausuren bearbeiten muss. Glücklicherweise kann man in einem Fach wie Deutsch immer irgendetwas schreiben, selbst wenn es Nonsens ist. In Deutsch hat wohl noch nie jemand ein leeres Blatt abgegeben.

Gibt es einen Unterschied zwischen DeutschLK und DeutschGk?
Der Unterschied zwischen einem Deutsch Leistungskurs und einem Deutsch Grundkurs ist mit Sicherheit nicht allzu groß. Wie ihr oben schon gelesen habt, behandelt man oft in beiden Kursen das Gleiche, wobei der DeutschLK aufgrund der erhöhten Stundenzahl minimal mehr Themen zu bearbeiten hat. Der Übergang vom vorherigen Deutschunterricht in den Leistungskurs sollte reibungslos verlaufen, ihr werdet also, falls ihr euch für Deutsch als LK entscheidet, keinen Weltenwechsel erfahren. Selbst ich frage mich oft noch, inwiefern sich mein DeutschLK von einem Grundkurs unterscheidet. Der Deutschleistungskurs ist nämlich nicht wirklich mit viel Arbeitsaufwand verbunden.

Bin ich für den DeutschLK geeignet?
Womit wir beim Fazit wären und der Klärung der wichtigsten Frage überhaupt: Wer sollte denn jetzt überhaupt den DeutschLK wählen und wer nicht? Ich möchte ehrlich sein und nicht den Moralapostel spielen: Im Prinzip kann jeder den DeutschLK wählen, ohne Angst haben zu müssen. Wenn ihr euch für das Fach Deutsch und Sprachen interessiert, dann seid ihr im DeutschLK auf jeden Fall richtig. Wenn ihr nicht wisst, was ihr wählen sollt, dann kann euch der DeutschLK auch nicht schaden. Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr gar keine Talente habt oder euer Wunsch-LK nicht zustande kommt, dann wählt lieber Deutsch als irgendein Fach, das ihr überhaupt nicht beherrscht, zum Beispiel Mathe. Für naturwissenschaftliche LKs gibt es nämlich gewisse Voraussetzungen, oder besser gesagt, man muss Vorwissen haben. Wer Probleme mit Mathe hat und die einfachsten Grundrechenverfahren nicht beherrscht, der hat im MatheLK nichts zu suchen. Wer in der 10. Klasse in Biologie nicht aufgepasst hat, wird ein Problem im BioLK haben. Aber wer nie in Deutsch aufgepasst hat, der wird im DeutschLK nicht zwingend versagen, da absolut nichts vorausgesetzt wird. Natürlich sollte man eine Vorstellung davon haben, wie man anständige Texte verfasst, aber das Buch, das ihr in Klasse 9 oder 10 gelesen habt, wird euch für das Deutsch-Abitur nichts bringen, weil es nicht abiturrelevant ist. In Mathe hingegen hat man schon in Klasse 9 Funktionen behandelt, und darauf wird im kommenden Unterricht aufgebaut. Deswegen ist Deutsch durchaus eine Option für alle, die etwas verloren durch die Schule schlendern. Deswegen wählen so viele Schüler den DeutschLK.
Und all diejenigen, die Deutsch wirklich interessiert, die es lieben, ein Gedicht zu analysieren oder eine Lektüre auseinanderzunehmen, die sind im DeutschLK genau richtig. Euer Lehrer wird sich freuen, wenn unter all denen, die Deutsch als Notlösung gewählt haben, auch diejenigen sind, die wirklich Interesse am Fach zeigen. Und auch ruhig mal sechs Seiten schreiben, wenn es eine Analyse als Hausaufgabe aufgab. Und nicht nur eine Halbe ...

Samstag, 12. Dezember 2015

Biologie Leistungskurs - Erfahrungsbericht zum BioLK


Mittlerweile ist es fast zwei Jahre her, dass ich meine beiden Leistungskurse wählen musste. Leicht ist mir diese Wahl nicht gefallen, da ich mich zwischen 4-5 Fächern entscheiden musste, die ich gerne als Leistungskurs belegt hätte. Ich habe mir ständig den Kopf über alle möglichen Vor- und Nachteile der Fächer zerbrochen, alle möglichen Lehrer befragt, ob sie mich für "LK-tauglich" halten und natürlich auch das Internet nach Erfahrungsberichten durchsucht. Einige waren hilfreich, andere haben mich verunsichert. Einen (hoffentlich hilfreichen) persönlichen Erfahrungsbericht zu jedem meiner Leistungskurse möchte ich euch in den folgenden Posts geben. Meine Wahlkreuze habe ich schließlich bei Deutsch und Biologie gesetzt, und um letzteres Fach soll es an dieser Stelle gehen. Um den Biologie Leistungskurs. 



Zum Erfahrungsbericht 
Bevor ich euch Einblicke in die Welt des BioLKs gebe, muss ich noch kurz ein paar Dinge anmerken. Wie oben schon erwähnt, ist das hier ein persönlicher Erfahrungsbericht. Das heißt, ihr solltet meine Sichtweisen nicht verallgemeinern. Jeder Leistungskurs ist verschieden, was mit Sicherheit auch mit Schule und Bundesland zusammenhängt. In NRW sind Leistungskurse fünfstündig, das heißt, dass ich jede Woche 5 Schulstunden Biologie habe. Meine normalen Klausuren im Leistungskurs sind 4 Schulstunden lang. Die inhaltlichen Schwerpunkte für meinen Abiturjahrgang (2016) sind Genetik, Ökologie, Evolution und Neurphysiologie. 

Was behandelt man im BioLK?
Wie gerade eben schon erwähnt, gibt es für jeden Abiturjahrgang inhaltliche Schwerpunkte, die den Lehrplan bestimmen. Diese Vorgaben könnt ihr auf der Seite eures Schulministeriums einsehen, die Vorgaben für NRW gibt es hier. Das heißt, ihr könnt euch - noch bevor ihr den BioLK überhaupt wählt - ansehen, was ihr behandeln werdet. Natürlich sind große Themenkomplexe wie Genetik oder Evolution immer vertreten, denn keiner wird ein Abitur in Biologie absolvieren können, ohne jemals von Gregor Mendel oder Charles Darwin gehört zu haben. Prinzipiell behandelt man die selben Themen wie im Grundkurs, nur ausführlicher. Das heißt, man macht ein Unterthema mehr oder geht etwas mehr "in die Tiefe". Allerdings muss erwähnt werden, dass es für Biologie ziemlich viel Lernstoff gibt. Schon der Grundkurs muss ziemlich viel behandeln und beim Leistungskurs ist es logischerweise noch mehr, weshalb Biologie zurecht als eines der lernintensivsten Fächer überhaupt gilt. Wie für jedes Fach gilt auch für Biologie, dass es Themen geben wird, die euch mehr interessieren werden und solche, die es eher weniger tun. 

Wie sieht der Unterricht im BioLK aus?
Der Unterricht im BioLK ist zum Großteil theoretisch. Wer sich auf großes Mikroskopieren und Sezieren gefreut hat, muss von mir enttäuscht werden. Natürlich sitzt man nicht nur vor Büchern und Arbeitsblättern, aber da man in Biologie sehr viel Stoff in kurzer Zeit durchnehmen muss, ist wenig Zeit für Nebensächliches. Natürlich gibt es auch Exkursionen, so hat mein BioLK zur Genetik ein Molekularbiologisches Labor besucht, zur Ökologie eine mehrtägige Kursfahrt an einen Stausee für Gewässeruntersuchungen unternommen und zur Evolution das Neanderthalmuseum besucht. Aber der Großteil des Unterrichts besteht nun mal aus dem Lesen von Texten, um sich neue Themen beizubringen bzw. neue Dinge zu erfahren. Dazu markiert man sich Dinge im Text, macht sich Notizen und bespricht das Ganze anschließend im Kurs, wobei dann das Tafelbild entsteht, das oftmals aber nicht hilfreicher ist als die eigenen Notizen. Wie ihr euch also vielleicht denken könnt, ist in Biologie sehr viel selbstständiges Arbeiten angesagt. Im Prinzip muss man sich alles selbst beibringen, mit dem Lehrer und dem Kurs sichert man dieses Wissen dann nur ab. Außerdem gibt es recht häufig Hausaufgaben auf, die dann meistens auch daraus bestehen, sich das und das zu erarbeiten oder dieses und jenes zu wiederholen. Das ist nämlich eine weitere Sache: In Biologie lernt man immer mehr, aber man darf von dem Gelernten möglichst nichts mehr vergessen. 

Braucht man für den BioLK Chemie?
Eine Frage, die auch ich mir damals gestellt habe. In der 10. Klasse hatte ich noch Chemie, habe dann für die 11. Klasse den BioLK gewählt und Chemie gleichzeitig abgewählt. Und deswegen kann ich euch ganz klar sagen, dass ihr nicht Chemie belegt haben müsst, um im BioLK zu überleben. Die Mehrheit meiner Bio-Mitschüler hat auch kein Chemie mehr und man kommt bestens ohne zurecht. Ich frage mich wirklich, wie dieser Mythos die Runde gemacht hat, denn man muss kein Chemie belegt haben, um zu wissen, was eine Wasserstoffbrückenbindung oder eine polare Bindung ist. Das sind alles Grundlagen, die man in der Mittelstufe gelernt hat, als Chemie noch Pflicht war. All das hat nichts mit dem Chemieunterricht der Oberstufe zu tun und selbst wenn man in der Mittelstufe eine Chemie-Niete war, sind das alles Sachen, die man sich innerhalb einer Stunde selbst nachträglich beibringen kann. Schließlich habt ihr Biologie gewählt, nicht Chemie. Im Abitur wird euch keiner fragen, wieso bei der Fotosynthese aus 12H2O schließlich 6H2O werden. Also tut mir einen Gefallen und macht euch wegen der Chemie nicht verrückt. Diese sollte meiner Meinung nach kein Ausschlusskriterium sein. Selbst wenn ihr einen Biolehrer abkriegt, dem Chemie total wichtig ist, könnt ihr euch die paar chemischen Grundlagen selbst beibringen. Im Zeitalter von YouTube und Büchern wie "Chemie für Dummies" ist das kein Problem mehr. 

Muss man für den BioLK viel lernen?
Ja! Falls ihr ein eher faules Gemüt habt, solltet ihr euch überlegen, ob ihr euch Biologie wirklich "antun" wollt. Dass man für Biologie viel lernen muss, ist leichter gesagt als getan. Erst wenn man wirklich drin steckt, merkt man, wie viel das alles eigentlich ist. Manchmal höre ich von Mitschülern anderer LKs am Tag vor den Klausuren, dass sie immer noch nicht mit dem Lernen begonnen haben, wohingegen ich schon seit Tagen sämtliche Begriffe und Regeln in meinen Kopf prügele. Außerdem müsst ihr euch bewusst sein, dass es immer mehr wird. Gerade für das Abitur. Da müsst ihr dann nämlich nicht nur den Stoff zur Molekulargenetik beherrschen, den ihr für eure erste BioLK-Klausur draufhaben musstet, sondern etwa achtmal soviel. Deswegen sind zwei Dinge für Biologie wichtig: 1. Fangt früh mit dem Lernen an! 2. Lernt regelmäßig! Außerdem ist es hilfreich, sich für die Klausuren immer ausführliche Lernzettel zu schreiben. Dann habt ihr es in puncto Abiturvorbereitung leichter, da ihr die Lernzettel nach der Klausur - ich bitte darum - hoffentlich nicht wegschmeißt. 

Wie sehen BioLK-Klausuren aus?
Wenn es um BioLK-Klausuren geht, dann geht es um einen wunden Punkt der meisten Schüler. Denn wenn man für eine Bioklausur lernt, dann lernen die Meisten die ganzen Begriffe und Definitionen des Themenkomplexes auswendig und können damit super die Reproduktionsaufgabe lösen. Blöd nur, dass die restlichen 80% der Bioklausur aus Transferaufgaben bestehen. Das heißt, dass es seitenweise Material gibt (Texte, Diagramme, Versuche), die man auswerten und mittels des Gelernten analysieren und erklären muss. Klingt einfach, ist es aber nicht. Schaut euch dazu am besten alte Abiturklausuren an, dann wisst ihr, was euch erwartet. Die Zeiten des "Fülle den Lückentext aus", "Beschrifte die Abbildung" oder "Definiere das und das" sind im BioLK nämlich definitiv vorbei. Leider. 

Wie groß ist der Unterschied zwischen BioLK und BioGK?
Der wesentliche Unterschied liegt zum einen in der Stoffmenge und zum anderen in den Klausuren, letztere sind im Grundkurs um einiges einfacher. Der Grundkurs knüpft ziemlich gut an den Bio-Unterricht aus Klasse 10 an, was das Level angeht. Von Klasse 10 in den BioLK ist es meiner Meinung nach jedoch ein etwas größerer Schritt, vor allem was die Klausuren angeht. Denn spätestens in den Klausuren wird man merken, wieso sich der eigene Kurs eigentlich Leistungskurs nennt. Aber ich möchte euch keine Angst machen, das ist alles machbar, wenn man will. Viele Schüler unterschätzen bloß, dass sie sich im LK nun viel mehr mit Biologie befassen müssen als noch in der 10. Klasse. Da war Biologie für viele ein Nebenfach mit guten Noten und Spaßfaktor. Sobald man ein Fach allerdings als LK wählt, wird es zum Hauptfach. Da reicht es nicht mehr aus, sich am Abend vorher ein paar Sätze aus Wikipedia herauszuschreiben, für grobes Verständnis. Grobes Verständnis muss im BioLK zum großen Verständnis werden. Ein LK ist quasi euer Beruf, nicht euer Nebenjob. 
Wenn ihr euer LK-Wahlkreuz also bei Biologie setzt, dann heiratet ihr dieses Fach. Das Eheversprechen wäre hierbei, dass ihr immer schön fleißig für Biologie lernt, in guten (interessanten, einfachen) wie in schlechten (uninteressanten, stressigen) Zeiten. Denn wenn ihr das nicht tut, kommt es zur Ehekrise und es regnet schlechte Noten. Ich denke, diese Metapher beschreibt den Leistungskurs-Aspekt ziemlich gut.

Bin ich für den BioLK geeignet?
Und nun zum Fazit und der Beantwortung der Fragen aller Fragen: "Bin ich für den BioLK geeignet?
Das ist natürlich eine Frage, die ich euch nicht beantworten kann. Das kann keiner, außer man selbst. Ich kann euch nur sagen, dass ihr die oben genannten Aspekte berücksichtigen solltet. Auch rate ich euch, nicht unbedingt ein zweites aufwendiges LK-Fach zu wählen, wenn ihr schon Biologie nehmen wollt. Biologie und Geschichte würden euch beispielsweise viele Stunden am Schreibtisch bescheren. 
Ihr braucht keine Angst wegen Chemie zu haben, solltet aber wissen, worauf ihr euch mit Biologie einlasst. Ihr werdet recht viel lernen müssen, wenn euch gute Noten wichtig sind. Das sollte aber eine Selbstverständlichkeit beziehungsweise Nebensächlichkeit sein, wenn man sich wirklich für die Biologie interessiert. Denn Leidenschaft ist, wie in so vielen Situationen des Lebens, ein wichtiger Punkt. Wenn ihr keinen Spaß an der Biologie habt, dann lasst es bleiben. Ihr könntet euer Abitur mit viel weniger Aufwand bekommen, wenn ihr Biologie nicht wählt. Mit der Kombination Deutsch/Englisch beispielsweise kommen viele Schüler ohne Lernen sehr weit. Denn für Leute mit der Einstellung "Ich hab Bio gewählt, weil ich Chemie und Physik noch schlimmer finde" ist der Grundkurs da, nicht der Leistungskurs. Der Leistungskurs ist für Leute, die Leistung erbringen wollen. Für Leute, die sich reinknien wollen. Für Leute, die mehr wissen wollen als man für das Abitur wissen muss. Für Leute, die auch gerne mal etwas später zu Bett gehen, weil sie noch ihre BioLK-Hausaufgaben erledigen müssen. Für Leute, die die Biologie, die Lehre vom Leben, mit jeder Zelle des Körpers interessiert.