Freitag, 30. Dezember 2016

Studieren mit dem iPad - Organisation, Lernzettel, Apps

"Ich bin ein Papiermensch, ein iPad kommt mir nicht ins Haus" - genau das hätte ich gesagt, hätte man mich vor einem halben Jahr gefragt, wie ich mir die Sache mit dem Studium so vorstelle. Unentschlossen, wie ich war, saß ich in der ersten Uni-Woche - jeden Tag mit einer anderen Methode im Gepäck - im Hörsaal. Am Montag zunächst mit einem Collegeblock - klappte nicht, ich muss das Skript vor Augen haben. Am nächsten Tag mit meinem Laptop - war auch blöd; während man in einem Textfeld das Skript ergänzt, ist der Dozent schon 3 Schritte weiter, handschriftlich ist es also einfacher. Am Mittwoch dann mit einem Batzen ausgedruckter Skripte aus dem Copyshop - war nicht nur teuer, ist auch schwer und schwarz-weiß (was in Fächern wie Anatomie sehr ungünstig ist, wenn man winzige Details auf einem Bild erkennen will). Donnerstag stand also fest: Digitales, handschriftliches Mitschreiben wäre die Lösung schlechthin. Ein Tablet ist leicht und schmal, man kann in schnellem Tempo auf das Skript schreiben, sämtliche Lehrbücher immer dabei haben, muss nicht mehr drucken, kann immer und überall arbeiten. Am Freitag besaß ich dann ein iPad - Der Weihnachtsmann war schon im Oktober da. 



Dass es ein iPad geworden ist und kein Surface oder ein anderes Gerät, liegt einfach daran, dass ich mich vor Jahren dazu entschieden habe, Windows und Android den Rücken zuzukehren. Das ist natürlich eine Frage des eigenen Geschmacks und soll an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden. 

1. A U S S T A T T U N G
Hand aufs Herz, ich hätte gerne eines der günstigeren iPad-Modelle ausgewählt. Blöderweise ist der sagenumwobene Apple Pencil nur mit dem iPad Pro kompatibel - das leistungsstärkste, aber auch teuerste iPad von allen. Und da der elektronische Stift die für mich wichtigste Funktion des Tablets ermöglicht (nämlich handschriftliches, digitales Schreiben), habe ich mich - wenn auch zunächst schweren Herzens - für folgendes Modell entschieden: iPad Pro 9,7", gold, 128GB, Wi-Fi und Apple Pencil 
Das ist ein teurer Spaß, zumal man den Stift für rund 100€ separat dazu kaufen muss. Allerdings muss man sagen, dass der Apple Pencil wahnsinnig präzises Mitschreiben, Zeichnen etc. ermöglicht. Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass man nicht "fein" genug schreiben kann und dass die Entwicklung eines richtigen Schreibgefühls ausbleibt; diese Befürchtungen haben sich nicht bestätigt. 





Erschwinglicher ist die Hülle, die ich mir nachträglich bestellt habe. Diese schützt nicht nur Rückseite und Display (die meisten Hüllen schützen die Rückseite leider nicht vollständig, diese hier schon), sondern ermöglicht durch Faltung des Deckels auch, dass das Gerät aufrecht hingestellt werden kann. Es gibt auch Hüllen, die eine Bluetooth-Tastatur enthalten, sodass ihr das iPad auch als eine Art Laptop verwenden könnt.

2. F U N K T I O N E N 
Wie oben schon kurz angesprochen, könnt ihr in einem iPad ziemlich viele Dinge kombinieren. Abgesehen vom Mitschreiben in Vorlesungen ist es auch kinderleicht, sich Lernzettel zu erstellen, etwas in Büchern oder Skripten zu markieren, Alltag und Stundenplan über den Kalender zu vereinen und natürlich studiengangspezifische Apps zu verwenden.  


2.1. M I T S C H R E I B E N  I N  V O R L E S U N G E N  +  L E R N Z E T T E L
Um auf den Folien, die von den Dozenten zur Verfügung gestellt werden, mitzuschreiben, benötigt ihr zunächst einmal ein Programm, also eine App. Diese sollte es euch ermöglichen, PDF-Dateien zu öffnen, zu ordnen, und natürlich zu bearbeiten: Man sollte aus verschiedenen Farben und Stiftdicken auswählen können, Zugriff auf Textmarker haben, Bilder einfügen können, Dinge ausradieren und verschieben können; für eigene Dokumente sollten verschiedene Papiergrößen und Arten (blank, kariert, liniert) zur Verfügung stehen. 
Eine solche Multifunktionsapp müsst ihr euch aus dem AppStore runterladen, und die wirklich guten Apps kosten Geld, also einen einmaligen Betrag. Ich halte diese Investition für legitim, da ihr dann keine nervigen Werbeanzeigen aufblinken seht und Zugriff auf sämtliche Funktionen habt, ohne In-App-Einkäufe tätigen zu müssen. Und was sind schon einmalig 8€, gemessen an den vielen Jahren, in denen ihr die App wahrscheinlich täglich mehrmals verwenden werdet?

Ich persönlich habe mich für GoodNotes entschieden, diese App kostet momentan 7,99€. Anhand von GoodNotes werde ich euch im Folgenden erklären, wie ich meine Mitschriften auf dem iPad organisiere.

Zunächst könnt ihr verschiedene Kategorien, also Ordner, und auch Unterkategorien anlegen. Es ist sicherlich sinnvoll, für jedes Fach (Vorlesung, Veranstaltung, wie auch immer) eine Kategorie anzulegen.

Die entsprechenden Dateien, also Foliensätze/Skripte, können dann in die entsprechenden Ordner einsortiert werden. Aus Datenschutz- und Urheberrechtsgründen musste ich einige Stellen unkenntlich machen und darf euch auch keine Vorlesungsfolien zeigen, aber ich denke, das Prinzip ist verständlich.

Wie ihr auf den Bildern demonstriert seht, könnt ihr zwischen verschiedenen Strichstärken auswählen. Indem ihr in das Dokument reinzoomt, könnt ihr nahezu beliebig kleine Notizen schreiben. Digitales Mitschreiben hat also nichts mit Grobmotorik zu tun, im Gegenteil, ihr könnt sogar feiner darauf schreiben als ihr es mit einem Kugelschreiber oder Bleistift könntet. 
Außerdem könnt ihr sowohl bestehende Texte als auch selbst Verfasstes markieren, mit dem Unterschied, dass die Farbvielfalt digitaler Textmarke und Stifte um einiges größer ist als die der Marker aus eurem Federmäppchen.

Außerdem könnt ihr Bilder einfügen; entweder spontan aufgenommene Fotos, solche aus eurer Galerie oder aber ihr kopiert Bilder aus einem anderen Dokument einfach in euer eigenes rein. Das ist sehr nützlich, wenn ihr dabei seid, Lernzettel zu erstellen. Ihr könnt zwischen eurem eigenen Zusammenfassungsdokument und den Folien des Dozenten hin- und herswitchen und gewünschte Bilder, Definitionen oder Ähnliches einfach rauskopieren und einfügen. Falls ihr euer iPad als Laptop-Ersatz verwendet, könnt ihr Textfelder verwenden (funktioniert natürlich auch mit der integrierten Touchscreen-Tastatur).
Ganz nett finde ich auch die "Begradigungsfunktion". Es soll zwar Leute geben, die ein Lineal auf ihr Display legen, um beispielsweise eine gerade Überschrift zu zeichnen, aber durch Aktivieren einer einfachen Funktion könnt ihr Striche, Kreise, Dreiecke und alles, was der Geometriehimmel zu bieten hat, ganz einfach per Hand zeichnen - so krüpplig wie ihr wollt - da die App das ganze automatisch für euch begradigen kann. 

All diese Funktionen ermöglichen euch schließlich nicht nur das Mitschreiben in der Vorlesung, sondern auch das Erstellen eigener Lernzettel. Oben seht ihr eine Seite meiner Biologiezusammenfassung. 

2.2  O R G A N I S A T I O N
Die meisten Nutzer möchten ihre Dateien wahrscheinlich nicht nur auf dem iPad verwenden, sondern auch auf anderen Geräten. Es ist zum Beispiel handlicher, morgens im Bus auf dem Handy etwas auf dem Lernzettel nachzulesen, als auf dem iPad. Außerdem ist es nie schlecht, eine Sicherheitskopie von dem, was man erstellt hat, auf anderen Geräten zu verwahren. Abgesehen von GoodNotes kann es auch sein, dass ihr an einem Computer ein Word-Dokument oder eine PowerPoint-Präsentation erstellt habt und diese nun auf euer iPad übertragen wollt. Vielleicht möchtet möchtet ihr auch Fotos synchronisieren oder Dokumente mit euren Kommilitonen austauschen, ohne jedes Mal eine E-Mail verfassen zu müssen, die dann ohnehin nur aus Anhängen besteht. 

All das sind Gründe, weshalb ihr - falls nicht schon geschehen - eine Cloud einrichten solltet. Auch für Personen, die kein Tablet besitzen, empfiehlt sich immer eine Cloud, damit ihr nie wieder Dateien über Kabel zwischen Geräten hin- und herschicken müsst, sondern einfach drahtlos über eine Internetverbindung.
Oben seht ihr drei gängige Clouds abgebildet, je nach Anbieter steht euch mehr oder weniger kostenloser Speicherplatz zur Verfügung. Noch besser als die obigen Bekanntheiten sind die Clouds eurer Universität (die Cloud meiner Universität und einiger anderer NRW-Universitäten ist beispielsweise "Sciebo"). Zum einen stehen die Server der Uni-Clouds nicht irgendwo in den USA, sondern ganz in eurer Nähe, zum anderen steht euch viel mehr freier Speicher zur Verfügung als bei Dropbox und Co. 

Je nach Studiengang empfiehlt sich auch die Verwendung des digitalen Kalenders. Zu Schulzeiten habe ich die Kalender-App höchstens verwendet, um Geburtstage von Freunden einzuspeichern; die handschriftliche Version, Stichwort Hausaufgabenheft, hatte immer größere Bedeutung.
Nun ist es so, dass man als Medizinstudent - zumindest an meiner Fakultät - keinen festen Stundenplan hat. In den meisten Studiengängen muss man sich seinen Stundenplan selbst zusammenbasteln, hat dann jede Woche die gleichen Veranstaltungen zur gleichen Zeit und muss nicht zwangsläufig jeden Tag einen Blick auf den Kalender werfen - Ich muss das schon. Zwar sind die Vorlesungszeiten relativ konstant, die Nachmittage sehen jedoch immer anders aus. Glücklicherweise stehen uns unsere individuellen Stundenpläne (jeder Student hat, aufgrund verschiedener Klinik- und Praktikumsgruppen, einen eigenen Stundenplan) digital zur Verfügung, sodass ich diesen ganz einfach in meine Kalender-App auf Handy und iPad einfügen kann. 

3.  M E D I Z I N E R - A P P S
Zuletzt seien noch kurz Apps erwähnt, die speziell für Medizinstudenten geeignet sind. Die Vollversion der meisten Apps ist kostenpflichtig, doch viele Universitäten gehen glücklicherweise mit der Zeit und erwerben Lizenzen, die sie an ihre Studenten weitergeben. 
1. LernKarten (Prometheus) - enthält Bilder aus dem Prometheus/der Dualen Reihe von Thieme; ihr könnt euch abfragen lassen, indem ihr die gezeigten Strukturen richtig beschriftet/benennt
2. MerckPSE - der leidende Vorklinikstudent braucht des Öfteren mal das Periodensystem der Elemente; in der App könnt ihr die entsprechenden Elemente auswählen und in übersichtlichen Tabellen alles nachschlagen, was ihr über das Element wissen wollt, egal ob Schmelzpunkt, Elektronenkonfiguration, Standardpotenzial, Dichte etc. 
3. Essential Skeleton 4 - allen, die in ihrer Studentenbude kein Skelett unterbringen können, ermöglicht diese kostenlose App die dreidimensionale Betrachtung des menschlichen Skeletts aus allen möglichen Winkeln
4. Amboss Wissen - Kreuzen und Lernen in einer App, besonders für Kliniker interessant
5. Visible Body Atlas - 3D Modell des menschlichen Körpers, enthält Knochen, Muskeln, Gefäße und alles, was das Medizinerherz höher schlagen lässt; auch CT-Aufnahmen und Animationen sind enthalten
6. Thieme Campus - die, leider, veraltete App des Thieme-Verlags; falls eure Unis Lizenzen für eBooks des Thieme-Verlags erworben habt, könnt ihr diese in der App runterladen und offline jederzeit darauf zugreifen 
7. Sobotta Atlas - digitaler Anatomieatlas, indem ihr gezielt nach gewissen Körperteilen (Knochen, Muskeln, Venen,...) suchen könnt, euch aber auch nach dem Lernkarten-System abfragen lassen könnt
  

Das wäre erst einmal alles, was ich zum Thema "iPad im Studium" berichten kann. Nach zwei Monaten kann ich sagen, dass es für mich persönlich die richtige Entscheidung war, diesen Schritt in Richtung Digitalisierung zu gehen. Auch bin ich bei Weitem nicht die einzige mit Tablet im Hörsaal, im Gegenteil, die Hefte und Ordner werden immer weniger, die elektronischen Geräte immer mehr. Natürlich kommt man auch mit Papier und Stift sehr gut durch das Studium - so wie die Generationen und Generationen vor uns - dennoch finde ich, dass man die Möglichkeiten, die sich uns heute bieten, zumindest teilweise nutzen sollte, um sich das Leben nicht selbst unnötig schwer zu machen; wortwörtlich, denn kiloschwere Bücher muss heute kein Student mehr mit sich rumtragen.


Sonntag, 27. November 2016

Buchfavoriten 2016



Das Jahr neigt sich allmählich dem Ende zu; 2016 war ein ereignisreiches Jahr für mich. Abitur und Medizinstudium sind nicht nur zwei kennzeichnende Schlagworte dieses Jahres, sondern auch die Dinge, in die dieses Jahr ein Großteil meiner Zeit geflossen sind. Neben all dem blieb glücklicherweise noch etwas Zeit zum Lesen - und selbst wenn nicht: Ein voller Stundenplan oder Terminkalender sollte niemals eine Ausrede dafür sein, einer Leidenschaft nicht nachzugehen.
Von all den Büchern, die ich 2016 gelesen habe, habe ich nun sechs Favoriten auserkoren. Nur eines dieser Bücher wurde dieses Jahr erstmals veröffentlicht, andere Werke sind teils viele Jahre älter. Ich weiß, dass mein Literaturgeschmack wahrscheinlich nicht dem eines jeden anderen entspricht (keine Fantasy-Bücher, keine Liebesromane...), aber vielleicht ist für den ein oder anderen Buchliebhaber dennoch etwas dabei.
Zu jedem Buch habe ich den Klappentext hinzugefügt, um einen Überblick über die Handlung zu geben. Anschließend ein paar Worte dazu, wie ich auf das Buch gestoßen bin, was ich an dem Buch besonders schätze und was es so lesenswert macht.
Streng handelt es sich hierbei also nicht um Buchrezensionen, sondern um ein Sammelsurium kleiner Texten, die meine Gedanken zu den jeweiligen Werken zum Ausdruck bringen sollen.




Der Ingenieur Walter Faber glaubt an sein rationales Weltbild, das durch eine Liebesgeschichte zerbricht.


"Homo Faber" habe ich im Sommer dieses Jahres gelesen. Eine Freundin hat ihr Deutschabitur über dieses Werk geschrieben, von dem Buch geschwärmt und es hat nicht lange gedauert, bis ich Homo Faber selbst in den Händen hielt.
Protagonist Faber ist Rationalist, glaubt nicht an Schicksal, glaubt nicht an Wunder. Das Leben als Verkettung mal glücklicher, mal unglücklicher Zufälle. Für alles gebe es eine Erklärung, nichts gibt es, was sich nicht berechnen ließe. In einer Welt voller Maschinen, ohne Platz für Individualität. So erklärt sich Faber die Welt – bis eine Reise alles verändert.
Max Frisch schrieb dieses Buch vor mehreren Jahrzehnten, und doch ist es aktueller als je zu vor. Welche Möglichkeiten gibt es, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der ein jeder funktionieren muss? Wann wird Rationalität zum Verhängnis, wann nicht? Hat man wirklich auf alles einen Einfluss? Wie ist das mit den Dingen, die tatsächlich unerklärlich sind? Wer ist der Mensch? Was ist der Mensch? Die Sache mit der Identität.
Und überhaupt – welcher Mensch kann, ganz unabhängig davon, wo er gerade im Leben steht, von sich behaupten, seine einzig wahre Identität gefunden zu haben? Ist Identität nicht viel mehr als die Rolle, die man in der Gesellschaft zu spielen hat?
Ich selbst bin ein kleines bisschen Homo Faber, konnte mich in erschreckend vielen Zeilen mit der Figur identifizieren. Ich glaube an die Wissenschaft, daran, dass es für alles eine Erklärung gibt und dass Zufälle unser Leben streifen, nicht das Schicksal. Das Buch ist wunderbar, um sich von genau dieser Denkweise ein wenig zu lösen und den eigenen Horizont zu erweitern. Außerdem gefällt mir Frischs Umgang mit den Worten sehr. Simpel, doch unfassbar eloquent.




At the age of thirty-six, on the verge of completing a decade’s training as a neurosurgeon, Paul Kalanithi was diagnosed with inoperable lung cancer. One day he was a doctor treating the dying, the next he was a patient struggling to live. 

When Breath Becomes Air chronicles Kalanithi’s transformation from a medical student asking what makes a virtuous and meaningful life into a neurosurgeon working in the core of human identity – the brain – and finally into a patient and a new father.

What makes life worth living in the face of death? What do you do when when life is catastrophically interrupted? What does it mean to have a child as your own life fades away? 

Paul Kalanithi died while working on this profoundly moving book, yet his words live on as a guide to us all. When Breath Becomes Air is a life-affirming reflection on facing our mortality and on the relationship between doctor and patient, from a gifted writer who became both.


Kaul Kalanithi ist jung. Paul Kalanithi ist Arzt. Neurochirurg, um genau zu sein. Er interessiert sich für Literatur, Philosophie; will wissen, was der Sinn des Lebens ist, was Sterben bedeutet. Der Arztberuf als Möglichkeit, den Tod zu (be)greifen. Eines Tages wird bei Paul Kalanithi Krebs diagnostiziert.
"When Breath Becomes Air" ist eines dieser Bücher, die einen wundervollen Titel tragen. Betreten wir eine Buchhandlung ohne ein Buch zu suchen, sondern um das zu finden, was uns in die Hände fällt, dann haftet unser erster Blick auf dem Umschlag eines Buches. Bücher mit beliebig wirkendem Titel übergehe ich schnell, sind es doch zumeist die Bücher mit den simplen und dennoch außergewöhnlichen Titeln, deren Inhalt sich als packend und deren Botschaft sich als wertvoll herausstellt. Wie ich schon sagte, "When Breath Becomes Air" ist eines dieser Bücher. 
Paul Kalanithi schreibt dieses Buch in dem Wissen, dass er sterben wird. Als Mensch, der sich zur Literatur hingezogen fühlt und geplant hat, sich in hohem Alter dem Schreiben zu widmen, verlegt er diesen Wunsch nun vor. 
Die Geschichte ist ein Rückblick auf sein eigenes Leben, in dem die Medizin eine so maßgebliche Rolle spielt, gegipfelt von der Ironie, dass er als Assistenzarzt, kurz vor Abschluss seiner Ausbildung, nach so vielen Siegen und Niederlagen, endlich gewappnet, um für viele weitere Kranke in die Schlacht zu ziehen, plötzlich selbst zum Patienten wird.
Er wirkt nicht wütend, er wirkt nicht zerstört. Es ist unfassbar, wie scheinbar ruhig und vor allem reflektierend Kalanithi mit seiner Situation umgeht. Sich Zwischenmenschliches und das Unerklärliche nicht zwingend wissenschaftlich herleitet, sondern ganz eigene Überlegungen anstellt, mal philosophisch, mal nicht. Als Leser kann man eine Menge lernen, eine Menge mitnehmen. Vielleicht gibt es Dinge, die nur ein todgeweihter Mensch erfassen kann; Kalanithi schafft es, diese Dinge für uns in Worte zu fassen. In unserer aller Hoffnung, ein langes Leben leben zu dürfen, verspürt man bei der Lektüre von "When Breath Becomes Air" eine unglaubliche Dankbarkeit - nicht nur für all das, was man hat, primär für Zeit, sondern auch dafür, noch nicht zu wissen, wann es zu Ende sein wird. 
Paul Kalanithi verstarb am 9. März 2015 im Alter von 37 Jahren.


In the summer of 1990, Cathy's brother Matty was knocked down by a car on the way home from a night out. It was two weeks before his GCSE results, which turned out to be the best in his school. Sitting by his unconscious body in hospital, holding his hand and watching his heartbeat on the monitors, Cathy and her parents willed him to survive. They did not know then that there are many and various fates worse than death.
This is the story of what happened to Cathy and her brother, and the unimaginable decision that she and her parents had to make eight years after the night that changed everything. It's a story for anyone who has ever watched someone suffer or lost someone they loved or lived through a painful time that left them forever changed. Told with boundless warmth and affection, The Last Act of Love by Cathy Rentzenbrink is a heartbreaking yet uplifting testament to a family's survival and the price we pay for love.



"The Last Act Of Love" ist nicht sehr bekannt, und vielleicht hätte ich es nie gefunden, wäre ich nicht in einem Londoner Flughafen bei dem Versuch, meine letzten Britischen Pfund in der Bücherabteilung loszuwerden, auf dieses Buch mit seinem wundervollen Titel gestoßen, dessen Bedeutung so tragisch und erfüllend zugleich ist. Egal wie unbelastet oder gefühlskalt ein Leser zu sein glaubt – die Autorin bricht mit der leider wahren Geschichte über ihren Bruder ein jedes Herz; Seite für Seite, Wort für Wort.

Es ist keines dieser Bücher, die von Mitleid leben. Keines dieser Bücher, deren Inhalt aus der Feder eines Schriftstellers stammen könnte. Geschichten wie die obige schreibt nur das wahre Leben. Die Autorin gibt sie bloß wieder, und das mit einer unfassbaren Ehrlichkeit.
Wie ist das, wenn von heute auf morgen eine ganze Welt zusammenbricht? Wenn jemand, der dir alles bedeutet, nicht mehr da ist, obwohl er noch neben dir sitzt? Wenn aus Tagen Jahre werden, und aus Jahren ein Teil deines Lebens? Wie ist das, wenn Hoffnung schwindet? Wenn das, was du für richtig hältst, das Ende bedeutet? Wie ist das, wenn es endet? Und wie lebt man weiter?
"The Last Act Of Love" gehört zu der meiner Meinung nach wertvollsten Art von Büchern, die man lesen kann. Bücher, die daran erinnern, wie wertvoll das Leben ist; wie dankbar man für all das sein sollte, was man hat – oder nicht hat – und wie viel mehr man im Jetzt leben sollte, da nichts ungewisser ist als das Morgen. Man leidet, während man liest, um zu leben, nachdem man gelesen hat. Ein Denkanstoß, um das Karussell der Selbstverständlichkeit zu verlassen. Ein Buch, das seinen Leser zu einem besseren Menschen macht.

Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er … und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ein Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder. Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.

Das Jahr war noch ziemlich jung als ich angefangen habe, "Der Vorleser" zu lesen. Ich weiß auch noch, dass die Vorabiturklausuren anstanden und dass ich über jede Ablenkung glücklich war. Die Geschichte, die Bernhard Schlink erschaffen hat, ist zunächst verstörend, im Nachhinein ein Kunstwerk. Doch was mich an dem Buch bei Weitem mehr gefesselt hat als sein Inhalt, ist seine Sprache. Der Autor fügt Worte zu Sätzen, Sätze zu Melodien, Melodien zu einem Buch. Eine derartige Eloquenz findet man für gewöhnlich in den Klassikern längst verstorbener Autoren, selten in Werken der Gegenwartsliteratur. Die Kapitelanfänge erinnern mich oft an die von Meredith Grey ausgesprochenen Weisheiten der nach ihr benannten Fernsehserie „Grey’s Anatomy“ – nur, dass es sich hierbei nicht um eine US-Dramaserie handelt, sondern um ernstzunehmende Literatur. Eine solche Stelle ist mir noch sehr gut in Erinnerung geblieben und im Folgenden zitiert, um auch einen Eindruck der Wortgewalt des Autors zu vermitteln:

„Wenn bei Flugzeug die Motoren ausfallen, ist das nicht das Ende des Flugs. Flugzeuge fallen nicht wie Steine vom Himmel. Sie gleiten weiter, die riesengroßen, mehrstrahligen Passagierflugzeuge, eine halbe bis Dreiviertelstunde lang, um dann beim Versuch des Landens zu zerschellen. Die Passagiere merken nichts. Fliegen fühlt sich bei ausgefallenen Motoren nicht anders an als bei arbeitenden. Es ist leiser, aber nur ein bisschen leiser: Lauter als die Motoren ist der Wind, der sich an Rumpf und Flügeln bricht. Vielleicht empfinden die Passagiere den ein bisschen leiseren Flug sogar als besonders angenehm [...]. Der Sommer war der Gleitflug unserer Liebe.“

Ein Buch für alle, die in einer Welt voll "Läuft bei dir!" und "Was ist das für 1 Buch?" wieder etwas Schönes lesen möchten.


Grundlos wird Josef K. an seinem 30. Geburtstag verhaftet und verhört. Die Umstände sind grotesk, niemand kennt das Gesetz, und das Gericht bleibt anonym. Die Schuld erfährt Josef K., hafte ihm an, ohne dass er dagegen etwas tun könne. Verbissen, aber erfolglos versucht er, sich gegen die zunehmende Absurdität und Verstrickung zu wehren, schlägt jede Warnung vor weiterer Gegenwehr in den Wind und wird schließlich ein Jahr später vor den Toren der Stadt exekutiert.

Kafkas "Der Prozess" ist ein Klassiker. Weltbekannt, doch von jungen Menschen oft nur gelesen, weil es vom Lehrplan so gewollt ist. An dieser Stelle möchte ich Euch alle dazu ermutigen, mehr klassische Literatur zu lesen – freiwillig. Immer wieder bekomme ich mit, dass es Leuten zu anstrengend ist, Klassiker zu lesen: Die Sprache, die heute niemand so verwenden würde; Die Handlungsstränge, die man in ihrer wahren Bedeutung nur versteht, wenn man bereit ist, sie zu interpretieren. Das sind meiner Meinung jedoch nach genau die Punkte, die klassische Literatur so wertvoll machen. Lesen nicht nur aus Unterhaltungszwecken, sondern zur Schärfung des eigenen Verstandes, des eigenen Urteilsvermögens, des eigenen Sprachniveaus.
Doch wieso Kafka?
"Der Prozess" ist ein Werk, dass man vielleicht nie ganz verstehen kann, jedoch umso mehr verstehen wird, wenn man bereit ist, zu deuten. Wenn man erkennt, dass mit dem Gericht keine juristische Institution gemeint sein muss, und dass die grundlose Verhaftung des Josef K.s vielleicht doch ihren Grund hat. Im Zentrum steht die Frage nach der persönlichen Schuld des Individuums, ein Thema aktueller denn je.
Die Geschichte ist unheimlich, rätselhaft, verwirrend – kafkaesk – und doch ist bis ins kleinste Detail ausgetüftelt, wenn man beispielsweise realisiert, dass das gesamte Geschehen nur aus der Perspektive des Protagonisten wahrgenommen wird, obwohl an keiner Stelle ein Ich-Erzähler greift. Dass man nicht weiß, ob oder inwiefern die Geschichte der erzählerischen Wahrheit entspricht, da Kafkas Erzählstil in diesem Werk rein hypothetisch ist. Und überhaupt kann man nur erahnen, was Kafka mit diesem – und seinen anderen Werken – wohl gemeint haben muss (Ein Großteil der Werke Kafkas wurde posthum gegen sein Einverständnis veröffentlicht; sie sollten nie an die Öffentlichkeit gelangen).
Kafka ist eine Klasse für sich. Manche halten ihn für einen Verrückten, andere für ein Genie. Bildet Euch selbst eine Meinung!


The Monarchy has been dismantled. When a Republican party wins the General Election, their first act in power is to strip the royal family of their assets and titles and send them to live on a housing estate in the Midlands. Exchanging Buckingham Palace for a two-bedroomed semi in Hell Close (as the locals dub it), caviar for boiled eggs, servants for a social worker named Trish, the Queen and her family learn what it means to be poor among the great unwashed. But is their breeding sufficient to allow them to rise above their changed circumstance or deep down are they really just like everyone else?

Ein Buch für alle, die eine kleine Obsession für Großbritannien hegen. Ich glaube, ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich auf jeder Seite lachen musste, manchmal mehrmals, ungelogen. Wenn einen sogar die Leute in der Bahn seltsam ansehen, weil man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann, weiß man, dass das Buch die Lektüre wert ist. Man braucht ein wenig Grundwissen über die britische Kultur, um die Anspielungen verstehen zu können und sollte wissen, dass sich die Geschichte bewusst sämtlicher Klischees bedient. Der „Was wäre wenn...?“-Gedanke, auf dem die Handlung basiert („Was wäre, wenn die Monarchie abgeschafft würde und Queen & Co in stinknormale Wohnungen ziehen müssten?) ist schließlich das, was das Buch so besonders macht.

Dienstag, 20. September 2016

TMS - Was du über den Medizinertest wissen solltest


Im April 2016 habe ich ihn selbst absolviert - den Test für medizinische Studiengänge (TMS). Für viele ist er die letzte Hoffnung auf einen zeitnahen Medizinstudienplatz in Deutschland und selbst Studienbewerber mit Superabi unterziehen sich oft dem TMS, weil die 1,0 an einigen Unis schon lange kein Garant mehr für einen Studienplatz ist. Doch was hat es mit diesem Test eigentlich auf sich? Was ist der TMS überhaupt? Muss man Angst haben? Viel dafür üben? Und wem bringt er eigentlich etwas? Es folgt eine kleine Aufklärung über den TMS.

1. TMS - Was ist das überhaupt?
Der Test für Medizinische Studiengänge, besser bekannt als der Medizinertest, ist ein mehrstündiger Studierfähigkeitstest, in dem Fähigkeiten überprüft werden, die eine hohe Aussagekraft über die Eignung für das Medizinstudium haben sollen. Der TMS ist an vielen deutschen Universitäten als Bewerbungskriterium zugelassen, um so den Stellenwert der Abiturnote bei der Studienplatzvergabe zu senken.

2. Wo und wann findet der TMS statt? Wie melde ich mich an?
Der TMS findet einmal jährlich (Ende April/Anfang Mai) zeitgleich an verschiedenen Orten Deutschlands statt. Eine Übersicht zu allen Testorten Deutschlands findet ihr hier. Anmelden könnt ihr euch ab dem 1. Dezember des Vorjahres bis zum 15. Januar des Testjahres, dafür müsst ihr euch auf der offiziellen Internetseite registrieren. Am besten registriert ihr euch möglichst früh, um definitiv einen Platz in der Stadt eurer Wahl zu ergattern. Denn sollte euer präferiertes Testlokal bereits ausgebucht sein, könnt ihr den TMS nur noch an Standorten absolvieren, an denen noch freie Plätze zur Verfügung stehen. Diese können unter Umstunden ziemlich weit von eurem Zuhause entfernt sein.

3. Wie ist der TMS aufgebaut? Muss ich für den TMS lernen?
Der TMS ist wie folgt aufgebaut:

Aufgabe
Aufgabenzahl
Zeit
Muster zuordnen
24
22 min
Medizinisch- naturwissenschaftliches Grundverständnis
24
60 min
Schlauchfiguren
24
15 min
Quantitative und formale Probleme
24
60 min
Konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten
1
8 min
Pause (1 Stunde)
Merkfähigkeitstest (Einprägephase)
Figuren lernen
Fakten lernen

20 Lerneinheiten
15 Lerneinheiten

4 min
6 min
Textverständnis
24
60 min
Merkfähigkeitstest (Reproduktionsphase)
Figuren lernen
Fakten lernen

20
20

5 min
7 min
Diagramme und Tabellen
24
60 min

Beispielaufgaben und Wissenswertes findet ihr in der TMS-Infobroschüre.
Obwohl in der Broschüre geschrieben steht, dass man sich nicht auf den TMS vorbereiten kann, empfiehlt sich dennoch die ein oder andere Trainingseinheit. Ich selbst habe nur mit den beiden Originalversionen gelernt, weshalb ich keine Buchempfehlungen aussprechen kann. Für jeden Aufgabentyp gibt es eigene Übungsbücher von verschiedenen Verlagen, sodass ihr die Qual der Wahl habt. Trainiert besonders die Bereiche, mit denen ihr die größten Probleme habt. Es besteht auch die Möglichkeit, teure Seminare zu besuchen. Davon rate ich euch aber ab! Gebt keinen vierstelligen Betrag für Vorbereitungskurse aus, die eigentlich gar nicht nötig sind. Kauft euch lieber das ein oder andere Buch und übt beispielsweise eine Stunde täglich. Fangt rechtzeitig mit der Vorbereitung an und nicht erst drei Tage vorher (so wie ich), das stresst nämlich nur zusätzlich. In Online-Foren wie medilearn.de könnt ihr euch mit anderen Testteilnehmern austauschen und bei der Vorbereitung unterstützen. Allerdings sind auch diese Foren ein Hort der Panikmache. Lasst euch nicht von Leuten verunsichern, die angeblich seit Weihnachten für den TMS üben. Ein sehr gutes Ergebnis ist auch nach kürzerer Vorbereitung machbar!

4. Wie verläuft der Testtag?
Der TMS selbst beginnt um 10 Uhr morgens, die Testlokale öffnen aber bereits um 8 Uhr morgens ihre Pforten. Zwischen 8 und 9 Uhr müsst ihr euch in euer Testlokal begeben, um euch dort zu registrieren. Denn nur wer morgens anwesend ist, darf auch mitschreiben. Falls ihr es euch also anders überlegt haben solltet und doch nicht mitschreiben wollt (wegen Krankheit, Angst, etc.), dann taucht einfach nicht auf. Solange ihr euch am Testtag nicht registrieren lasst, dürft ihr in einem der Folgejahre teilnehmen. Die Testgebühr bekommt ihr allerdings nicht zurückerstattet.
Bei der Registrierung selbst müsst ihr eure Einladung vorlegen (diese wird wenige Wochen vor Testbeginn auf eurem TMS-Account zum Ausdrucken bereit gestellt, in ihr steht auch eure Sektornummer), sowie einen Ausweis (Personalausweis oder Führerschein) und - falls ihr noch minderjährig seid - eine von euren Eltern unterschriebene Einverständniserklärung. 
Euer Sektor ist wichtig. Angenommen ihr bekommt Sektor D zugewiesen, dann stellt ihr euch zur Registrierung in der Schlange zu Sektor D an. Nachher im Testsaal werdet ihr euch dann einen Platz in dem mit Sektor D ausgeschilderten Bereich suchen müssen.
Nach Vorlage der Unterlagen bei der Registrierung bekommt ihr ein TMS-Armband um euer Handgelenk geklebt, das ihr später beim Betreten des Testraums vorzeigen müsst. Außerdem bekommt ihr einen Klebestreifen mit 4 Aufklebern, die ihr später zum Bekleben eurer Testhefte braucht. 
Anschließend müsst ihr eure Habseligkeiten an der Garderobe abgeben. Mitnehmen dürft ihr nur erlaubte Gegenstände wie etwa eure Stifte oder Verpflegung, verpackt in durchsichtigen Tüten. Eine genaue Liste der erlaubten und verbotenen Gegenstände findet ihr hier.
Gegen 9 Uhr wird dann der Testsaal geöffnet. Alle suchen sich ihren Platz und die Testaufseher beginnen zu kontrollieren, ob alle Registrierten im Testsaal sitzen. Gegen 9:30 beginnt dann das "Programm". Euer Testleiter stellt sich vor. Dieser sitzt vorne auf einer Tribüne und redet über ein Mikrofon zu den meist mehreren Hundert Teilnehmern. Er wird euch den ganzen Tag lang durch den Test leiten, euch sagen, wann welche Aufgabe beginnt und wann ihr eure Stifte fallen lassen müsst, wann ihr umblättern sollt etc.
Nach der Hälfte des Gesamttests gibt es eine sechzigminütige Pause. Anschließend geht es weiter, bis der Test endet. Nach Ende müsst ihr so lange im Testsaal bleiben, bis die Mitarbeiter alle Testhefte auf Vollständigkeit durchgezählt haben. Nach einem Schlusswort des Testleiters dürft ihr dann den Saal - und somit auch das Gelände - verlassen.

5. Wann gibt's die Ergebnisse und was bedeuten diese?
Die Wartezeit, sprich die Zeitspanne zwischen Testtag und Ergebnistag, dauert etwa zwei Monate. Es ist nicht möglich, seine Ergebnisse zu einem früheren Zeitpunkt zu erfragen. Meist werden die Ergebnisse 1-2 Tage vor dem angegebenen Ergebnistermin veröffentlicht, was aber nichts daran ändert, dass ihr wochenlang warten müsst. Entweder, ihr macht euch während dieser Zeit verrückt, oder aber ihr nehmt es so wie ich und bleibt gelassen - ändern könnt ihr das Ergebnis ohnehin nicht mehr.
Am Ergebnistag wird auf eurem TMS-Account eine PDF-Datei hochgeladen, die aus mehreren Seiten besteht. Entscheidend ist die letzte Seite, denn auf dieser befindet sich eure persönliche TMS-Tabelle. Ein Beispiel für diese Tabelle und dafür, was die einzelnen Werte zu bedeuten haben, findet ihr hier. Generell gilt aber für alle Werte bis auf die Durchschnitssnote: Je höher, desto besser. Ein hoher Prozentrang, ein hoher Standardwert und ein Durchschnitt gleich oder nahe 1,0 sind ein Indiz dafür, dass ihr den TMS gerockt habt. Welchen Wert genau die Universität eurer Wahl berücksichtigt, müsst ihr selbst recherchieren, da im AdH jede Uni ihre eigene Suppe kocht. Die Uni Heidelberg interessiert sich für den Standardwert, die Uni Bochum hingegen für die Durchschnittsnote. Je nach Auswahlverfahren wird der TMS und euer (hoffentlich gutes) Ergebnis stark oder eher schwach im Verhältnis zu eurer Abiturnote gewichtet. Solltet ihr ein "schlechtes" Abitur haben, aber einen hervorragenden TMS, dann empfiehlt sich die Bewerbung an einer Universität, die dem TMS sehr viel Bedeutung schenkt. 

6. Wann sollte man den TMS machen?
Diese Frage beinhaltet eigentlich zwei. Einmal die Frage, ob man den TMS überhaupt machen sollte, und (für alle Schüler) die Frage, in welchem Alter sich der TMS empfiehlt.
Generell schadet es nicht, den TMS zu machen. Auch Personen, die bereits ziemlich sicher sein können, dass sie ein Abitur nahe 1,0 absolvieren werden, können den TMS machen. Wer zum Beispiel nach Heidelberg möchte, eine "schlechte" 1,0 hat (z.B. 850/900 Punkte im Abitur), der braucht den TMS ohnehin, um dort einen Studienplatz zu erhalten. Generell empfiehlt er sich aber besonders den Personen, die den hohen NC nicht knacken und die Wartezeitquote oder ein Studium im Ausland umgehen möchten. Je schlechter euer Abitur, desto besser müsst ihr beim TMS abschneiden, aber rechnerisch kann ein super TMS an einigen Unis sogar ein schlechtes Zweierabitur wettmachen.
Schüler fragen sich oft, in welchem Schuljahr sie zum Test antreten sollen. Ihr dürft den TMS frühestens ein Jahr vor dem Abitur absolvieren. Ihr müsst im folgenden oder aktuellen Jahr zur Abiturprüfung antreten. Vorher ist die Teilnahme am TMS nicht erlaubt. Des Weiteren müssen eure Eltern ihr schriftliches Einverständnis geben, falls ihr am Testtag noch minderjährig noch sein solltet. Ob ihr euch die TMS-Vorbereitung parallel zur Abiturvorbereitung antun wollt, müsst ihr selbst wissen. Ich persönlich finde es aber nicht sinnvoll, den TMS ein Jahr vor dem Abitur zu absolvieren. So habe ich noch bis zum Abitur vor allem in Biologie eine Menge Wissen angehäuft (primär in Neurologie), das mir Teile des TMS erleichtert hat. Beim medizinisch-naturwissenschaftlichen Grundverständnis und beim Textverständnis wusste ich die Antworten auf einige Fragen, ohne die zugehörigen Texte lesen zu müssen. Einen Zeitvorteil, den ich nicht gehabt hätte, hätte ich den TMS ein Jahr früher absolviert. Zudem ist es ratsam, sich in der Schulzeit auf den Schulstoff und nicht auf die TMS-Vorbereitung zu konzentrieren. Jeder Punkt mehr, den ihr euch in der Oberstufe erkämpft, bringt euch dem Medizinstudium näher.

7. Ich habe den TMS verhauen, was nun? 
Ein schlechtes Ergebnis, vor allem nach intensiver Vorbereitung, ist natürlich ernüchternd. Leider gilt hier "Chance vertan", da man nicht noch einmal zum TMS antreten darf. Dennoch: Ein schlechtes Ergebnis, beispielsweise die Gewissheit, dass man zu den 10% der schlechtesten Teilnehmer gehört, ist nicht mit eigener Doofheit gleichzustellen. Ein schlechter TMS ist kein Indiz dafür, dass ihr nicht für das Medizinstudium geeignet seid. Denn das TMS-Ergebnis beruht nicht einfach darauf, wie viel ihr richtig beantwortet habt, sondern darauf, wie viel ihr im Verhältnis zu den anderen Teilnehmern richtig beantwortet habt. Angenommen, ihr habt im Testteil "Diagramme und Tabellen" 20 von 24 Aufgaben richtig beantwortet (eine super Leistung, in der Schule mindestens Note 2), über 50% aller Teilnehmer haben aber 21 von 24 Aufgaben richtig beantwortet. Dann gehört ihr hier automatisch zur "schlechteren" Hälfte. Ihr seht, wie absurd die Bewertung ist. Und selbst, wenn ihr in einem Teil nur sehr wenig richtige Antworten haben solltet (denkbar wären 3 von 24), dann führt euch vor Augen, dass der TMS vom Schwierigkeitsgrad auf seine Teilnehmer ausgerichtet ist. Es sind keine leichten Aufgaben, denn die Teilnehmer sollen gestresst werden. Außerdem haben die Teilnehmer allesamt einen hohen Bildungsstand (es sind schließlich (Bald-)Abiturienten), dementsprechend anspruchsvoll sind die Aufgaben.
Bedenkt, dass der TMS nicht der einzige Weg zum Studienplatz ist. Es gibt den HamNAT, den MedAT, Auswahlgespräche, die Wartezeitquote, das Losverfahren und andere Möglichkeiten.

8. Vor- und Nachteile des TMS
Zum Schluss noch eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile des Tests für medizinische Studiengänge:

PRO CON
kein naturwissenschaftliches Vorwissen nötig wie etwa beim HamNAT oder MedAT
man darf den TMS nur ein einziges Mal im Leben absolvieren
Anerkennung an vielen deutschen Universitäten
man sollte ausreichend für den TMS üben, um kein schlechtes Ergebnis zu riskieren
Leute ohne Einserabi erhalten bei überdurschschnittlichem Ergebnis die Chance auf einen Medizinstudienplatz
ökonomische Komponente: Leute, die viel Geld in teure Seminare/Bücher investieren können, haben einen Vorteil gegenüber Leuten mit weniger finanziellen Mitteln
eigene Schwächen in bestimmten Testteilen können gezielt trainiert werden
Stresstest: Zeitdruck und große psychische Belastung während des Tests;
Glückssache: wer am Testtag einen schlechten Tag hat, ist im Nachteil   

Solltet ihr euch dazu entschieden haben, den TMS zu absolvieren, wünsche ich euch Viel Spaß bei der Vorbereitung (das Knacken der Matheaufgaben hat mir beispielsweise viel Freude bereitet) und natürlich Viel Erfolg für euren Testtag!